Chronik

100 Jahr- Feier des Kreisverbandes
OGV Straubing

Man schreibt das Jahr 1891: Wilhelm II ist seit drei Jahren Kaiser und hat gerade Otto von Bismarck entlassen, zwischen Paris und London findet das erste Telefongespräch statt und in Bayern regiert Prinzregent Luitpold. Im niederbayerischen Straubing treffen sich der Kunstgärtner Ruhland, heute würde man ihn als Zierpflanzengärtner bezeichnen, der Stadtgärtner Ammer und vermutlich eine Hand voll weiterer Hausgartenbesitzer regelmäßig in loser Runde und tauschen sich über Gartlerprobleme aus.
Acht Jahre nach der Geburtsstunde des OGV Straubing berichtet die Septemberausgabe der „Monatsblätter für Obstbau“, zu dieser Zeit das Organ des Landesverbands bayerischer Obstbauvereine, dass

„im März 1899 auf Einladung mehrerer Gärtnervereinmitglieder gegen 30 Obstbauinteressierte zusammenkamen zwecks Gründung eines Obstbauvereines. So ist denn alle Aussicht, dass in dem bierliebenden Niederbayern gerade von Straubing aus eine längst notwendige Anregung zur besseren Kultivierung und höheren Wertschätzung des dereinst beliebtesten Nahrungsmittels, des Obstes, ausgehe, zum Nutzen des Einzelnen wie ganzer Familien und Gemeinden“.

Als erste Vorsitzende werden Ruhland und Ammer genannt. Als 1903 der Lehrer Kroiß dazukam, hatte der junge Verein seinen ersten Schriftführer und Kassier Wachter konnte bereits eine 100 Mark-Spende von der Stadt Straubing verbuchen. Als erster Referent ist 1903 der kgl. Landwirtschaftslehrer Wunderlich im Protokollbuch vermerkt. Er hielt einen Vortrag zum Thema „Die Anatomie, das Wachstum und die Ernährung der Pflanze“. Zum hohen Anspruch des Vortrags passt der Beitritt des Vereins zur „Deutschen Pomologischen Gesellschaft“.
1911 einigte man sich auf den endgültigen Vereinsnamen „Obst- und Gartenbauverein“. Zehn Jahre später, der Verein hatte bereits 166 Mitglieder, stellte man fest, dass dem Verein eine Frauenabteilung fehlte. Die Damen sollten sich hauptsächlich mit der Konservierung von Obst und Gemüse befassen.
1923 wurden der Mineralwasserfabrikant Carl Wick, der Studienrat Fehr, die Gärtner Schmidbauer und Bogner beauftragt, sich um die Herstellung von Obstbrantwein zu kümmern.
Ob die Brantweinherstellung oder die Einbindung der Frauen ins Vereinsleben der Grund für die Verdopplung der Mitgliedszahlen innerhalb von drei Jahren war, ist der Chronik nicht zu entnehmen. Vielleicht findet sich hier ein Ansatz, den heutigen Mitgliederschwund mancher Vereine zu bremsen.
1924 war die Blumenausstellung mit Rahmenprogramm sicher ein Großereignis in Straubing: Sackhüpfen und Wettlauf mit und ohne Hindernissen für die Kinder, ein Lichtbildervortrag im altehrwürdigen Kronensaal von Landesinspektor Trinkle zu den Themen „Blumenschmuck“ und „Spalierobst“ nützlich und schön“ und abends der Maitanz mit der Kapelle Reiter.
Nach der „Gleichschaltung“ 1934 kam es 1948 zur Wiedergründung des Vereins. Neben Vorstand Hans Späth und Josef Schlecht taucht der Name Ludwig Leibl erstmals in der Vereinschronik auf. Mit dem vor kurzem verstorbenen Gärtnermeister Eugen Bäßler fungierte Kreisfachberater Leibl als Beisitzer.
Im Dietl-Saal übernahm 1960 ein neues, sehr erfolgreiches Vierergespann die Vereinsführung: Als Spezialisten und leidenschaftliche Gartenliebhaber bestimmten sie über drei Jahrzehnte die Geschicke des Vereins: Installateurmeister Xaver Holz, der Mitglieder und deren Gärten meist persönlich kannte, die vereinseigenen Geräte aufbewahrte, auslieh und reparierte, Notar Höglmeier, der als sein Stellvertreter fungierte, der Möbelschreiner Franz Fleischmann, der 35 Jahre das Protokollbuch führte und der Orthopädie-Techniker Ludwig Breu, der als Kassier seine ersten Gehversuche in der Vorstandschaft unternahm. Gartenbegehungen, Schnitt- und Veredelungskurse, Lehrfahrten, Versammlungen mit Fachvorträgen und Obstausstellungen gehören seither fest zum Jahresprogramm, auf das auch die nachfolgenden Vorsitzenden Heinz Kulzer (1991 bis 1998) und Ludwig Breu ( 1998 bis 2007) großen Wert legten. Die Mitgliederzahl hat sich mittlerweile bei 220 eingependelt.
Mit den Neuwahlen am 13.03.2007 wurde eine neue Führungsmannschaft gewählt,                   Josef Löw (1. Vorsitzender), Robert Fröschl ( 2. Vorsitzender), Heinz Scheubeck (seit 1995 Kassier), Reinhard Knott (seit 1995 Schriftführer) und den Kassenprüfern Werner Beiderbeck und Peter Ries. In den Ausschuss gewählt wurden Dr. Wolfgang Berg, Ludwig Breu, Max Mielach, Karl Scheubeck und der 2008 verstorbene Franz Fleischmann.